Krisenvorsorge zu Hause – Vorrat, Hygiene, Setup
von Christian Dost | EarthTrail | Letzte Aktualisierung: 2. Juli 2026
Fällt der Strom für eine Woche aus, bleiben die Supermärkte zu, das Leitungswasser versiegt und die Tankstellen sind leer. Wer dann erst losrennt, kommt zu spät. Krisenvorsorge zu Hause heißt, für rund zehn Tage ohne Strom, Wasser und Einkauf zurechtzukommen. Genau diesen Vorrat empfiehlt das BBK, und der Einstieg ist einfacher und günstiger, als die meisten denken. Dieser Überblick zeigt, womit du anfängst und in welcher Reihenfolge du aufbaust. Wie viel Wasser und Vorrat du pro Person wirklich brauchst. Und worauf du dein Geld besser nicht verschwendest.
Krisenvorsorge: Wo du anfängst - ohne Panik, ohne Prepper-Keller
Krisenvorsorge hat ein Imageproblem. Die einen denken an Tarnkleidung und Bunker, die anderen winken ab, weil hier ja nie was passiert. Beides führt in die Irre. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt jedem Haushalt einen Vorrat für möglichst zehn Tage. Das ist keine Weltuntergangs-Vorbereitung, sondern die Antwort auf alltägliche Lagen: Hochwasser, langer Stromausfall, gestörte Lieferketten nach einem Sturm.
Wichtig ist die Abgrenzung: Der staatliche Bevölkerungsschutz kümmert sich um das große Ganze, um Deiche, Krankenhäuser, Katastrophenschutz. Für die ersten Tage in deiner Wohnung bist aber du selbst zuständig. Genau diese Lücke füllt die private Vorsorge.
Fang klein an. Der richtige Startpunkt sind drei Tage, nicht zehn. Schon ein Drei-Tage-Vorrat nimmt der Sache den Schrecken, und von dort baust du in aller Ruhe weiter aus. Die sinnvolle Reihenfolge, einmal als kurze Checkliste:
- Wasser - das knappste Gut zuerst. Ohne Trinken wird es nach nur wenigen Tagen kritisch.
- Lebensmittel - haltbar, ohne Kühlung, Zubereitung möglichst ohne Kochen.
- Setup ohne Strom - Licht, Wärme, Information.
- Dokumente, Hausapotheke, Hygiene, Bargeld - das, was man am häufigsten vergisst.
Wer lieber Punkt für Punkt abhakt: Das BBK bietet im Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" eine kostenlose Checkliste zum Ausdrucken.
Wasser zuerst
Ein Erwachsener braucht mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag, plus rund 0,5 Liter zum Kochen. Das BBK rechnet daraus 2 Liter pro Person und Tag, also 20 Liter für zehn Tage. Diese 20 Liter sind die offizielle Untergrenze, das nackte Überleben.
Wir bei EarthTrail planen großzügiger und rechnen mit 3 Litern pro Person und Tag, also rund 30 Litern für zehn Tage. Der Unterschied ist die Hygiene: Hände waschen, Zähne putzen, sich notdürftig sauber halten. Wer die Hygiene von Anfang an mit einrechnet, hat auch nach mehreren Tagen noch genug Wasser.
Lager am besten Mineralwasser in Glas oder PET, ungeöffnet hält es weit über das aufgedruckte Datum hinaus. Stell die Flaschen kühl und dunkel, dann bleibt der Geschmack frisch. Und keine Sorge wegen des Platzes: 30 Liter sind gut zwei bis drei Getränkekästen, die unter ein Bett oder in den hintersten Schrank passen. Wer eng wohnt, fängt mit einem Kasten an und stockt nach und nach auf. Welche Mengen für deinen Haushalt zusammenkommen und welche Notwasser-Quellen im Haus taugen, steht ausführlich im Artikel Wasser-Notvorrat zu Hause.
Lebensmittel für zehn Tage
Beim Essen entscheidet nicht der Geschmack, sondern drei nüchterne Kriterien. Haltbar, weil bei Stromausfall Kühlschrank und Gefriertruhe ausfallen. Fertig, weil du ohne Herd nichts mehr kochst. Kurze Kochzeit, falls du doch auf einen Gaskocher ausweichst, denn die Energie ist dann kostbar.
Gut geeignet sind Konserven mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch und Fleisch, dazu Nudeln, Reis, Haferflocken, H-Milch, Zwieback, Nüsse, Trockenobst und Müsliriegel. Orientier dich an dem, was deine Familie ohnehin isst. Ein lebender Vorrat wird im Alltag mitgegessen, und was schmeckt, kaufst du eher nach.
Als grobe Planungsgröße gelten rund 2.200 Kalorien pro Person und Tag, die Basis, mit der auch der staatliche Vorratskalkulator rechnet. An dieser Zahl misst du, ob deine Menge für zehn Tage wirklich reicht, statt nur den Schrank vollzustellen und zu hoffen.
Der Vorrat muss zu deinem Haushalt passen. Ein Single plant anders als eine Familie mit Kleinkind. Säuglinge brauchen ihre gewohnte Babynahrung, denn ein Notfall ist nicht der Moment, um auf eine neue Sorte umzustellen. Wer unter Allergien oder Unverträglichkeiten leidet, legt gezielt zurück, was er verträgt. Und auch Haustiere wollen zehn Tage lang gefüttert werden, also gehört Tierfutter in die Rechnung. Chronisch Kranke denken zusätzlich an ihre Dauermedikamente, dazu mehr im Abschnitt zur Hausapotheke.
Das schlauste System heißt lebender Vorrat: Du kaufst bei jedem Einkauf ein, zwei Packungen mehr als nötig und verbrauchst immer das, was zuerst abläuft. Im Lager kommt das Älteste nach vorne, das Neue nach hinten. Dieses Prinzip nennt sich FIFO (First In, First Out, zuerst Eingelagertes zuerst verbrauchen). So rotiert der Vorrat im Alltag und ist nie abgelaufen, wenn du ihn brauchst.
Der Einstieg kostet überschaubar 50 bis 150 Euro pro Person, aufgebaut über Wochen statt in einer Panik-Fuhre. Wer es genau wissen will, nutzt den Vorratskalkulator der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf ernaehrungsvorsorge.de.
Setup ohne Strom
Fällt der Strom aus, fällt mehr aus als das Licht. Heizung, Herd, WLAN, oft auch die Wasserpumpe im Haus. Drei Dinge solltest du abdecken.
Licht und Energie. Eine Stirnlampe oder Taschenlampe pro Person, Ersatzbatterien, dazu eine geladene Powerbank fürs Handy. Eine Kerze ersetzt eine Lampe nur schlecht und stellt zudem ein Brandrisiko dar.
Wärme. Fällt im Winter die Heizung aus, hältst du die Wärme am Körper, nicht im Raum. Mehrere dünne Lagen übereinander wärmen besser als ein dicker Pullover, dazu Schlafsack oder Wolldecke. Zieh dich auf einen Raum zurück und mach es dort warm, statt die ganze Wohnung zu heizen.
Kochen. Ein Gaskocher mit ein paar Kartuschen reicht, um Wasser heiß zu machen und eine Mahlzeit zu garen.
Information. Wenn das Handynetz steht, warnt dich die App NINA zuverlässig. Daneben gibt es Cell Broadcast, eine Warnung, die ohne App direkt an alle Handys in einer Funkzelle geht. Welche Warn-App wirklich etwas taugt und wie beides zusammenspielt, erklärt der Artikel NINA oder KATWARN. Fällt das Netz aus, brauchst du ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio, um Behördenmeldungen zu empfangen. Richte zusätzlich einen Notfallplan für die Familie ein: einen festen Treffpunkt und eine Person außerhalb der Region als Kontakt, falls ihr getrennt werdet.
Dokumente, Hausapotheke, Hygiene, Bargeld
Diese vier vergisst fast jeder, und sie kosten am wenigsten.
Dokumentenmappe. Eine griffbereite Mappe mit Kopien der wichtigen Papiere: Ausweise, Geburts- und Heiratsurkunden, Versicherungspolicen, Zeugnisse, wichtige Verträge. Im Original oder als beglaubigte Kopie, zusätzlich digital auf einem USB-Stick.
Hausapotheke. Verbandmaterial, Schmerzmittel, Fieberthermometer, Desinfektion und vor allem deine persönlichen Medikamente in ausreichender Menge.
Hygiene. Seife, Toilettenpapier, Müllbeutel, Feuchttücher, bei Bedarf Hygieneartikel und Windeln. Plan genug zum Sauberhalten für zehn Tage ein. Wie du dich ohne fließendes Wasser sauber hältst und was bei Ausfall der Toilette zu tun ist, steht im Artikel Hygiene in der Krise.
Bargeld. Bei Stromausfall funktionieren Kartenzahlung und Geldautomat nicht. Ein Vorrat an kleinen Scheinen und Münzen zu Hause überbrückt das.
Die häufigsten Fehler
Hamsterkäufe statt System. Wer erst beim Alarm losfährt, steht vor leeren Regalen. Vorsorge funktioniert nur vorher, ruhig und schrittweise.
Einmal kaufen und vergessen. Ein Vorrat, der drei Jahre im Keller verstaubt, ist abgelaufen, wenn du ihn brauchst. Ohne Rotation kein verlässlicher Vorrat.
Nur Wasser oder nur Essen. Beides gehört zusammen, dazu das Setup ohne Strom. Ein Schrank voll Konserven nützt wenig, wenn du sie nicht öffnen oder warm machen kannst.
Teures Equipment ohne Plan. Ein 400-Euro-Solargenerator beeindruckt im Regal. Gegen Durst hilft er nicht. Erst die Grundlagen, dann die Gadgets.
„Der teuerste Fehler ist fast immer derselbe. Leute kaufen Technik, weil Technik sich gut anfühlt. Ein Kasten Wasser fühlt sich nach nichts an. Im Ernstfall ist es genau andersherum." - Christian Dost, EarthTrail
Warum private Vorsorge in Deutschland überhaupt nötig ist, ordnet unsere Risikoanalyse für Deutschland 2026-2030 ein.
Vom Wissen zur Praxis: Krisenvorsorge zu Hause
Die Grundlagen kennst du jetzt. Im Blackout & Krisenvorsorge Seminar von EarthTrail baust du deine häusliche Vorsorge in zwei Tagen praxisnah auf, im Warm-satt-sauber-Modus. Genau die Schritte, die zu Hause den Unterschied machen.
Zum Krisenvorsorge SeminarAuf einen Blick
Krisenvorsorge zu Hause bedeutet, für rund zehn Tage unabhängig zu sein. Das BBK nennt 20 Liter Wasser pro Person als Untergrenze, mit Hygiene gerechnet sind es eher 30 Liter. Beim Essen zählt haltbar, fertig, kurze Kochzeit, am besten als lebender Vorrat mit Rotation. Dazu kommen Licht, ein Gaskocher mit Belüftung, ein Batterieradio, die Dokumentenmappe, die Hausapotheke und etwas Bargeld. Der Einstieg kostet 50 bis 150 Euro pro Person und beginnt mit drei Tagen, nicht mit dem Komplettpaket.
Häufige Fragen
Wasser, haltbare Lebensmittel, Licht und Energie, eine Koch- und Wärmemöglichkeit, ein Batterieradio, die Dokumentenmappe, eine Hausapotheke, Hygieneartikel und Bargeld. Das BBK fasst das im Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" zusammen.
Mit Wasser und einem Drei-Tage-Vorrat, den du schrittweise auf zehn Tage ausbaust. Kauf bei jedem normalen Einkauf etwas mehr ein, statt alles auf einmal zu besorgen. So vermeidest du Hamsterkäufe und verteilst die Kosten.
Pro Person rund 30 Liter Wasser und Lebensmittel für zehn Tage, die ohne Kühlung und möglichst ohne Kochen auskommen. Als grobe Kostenmarke gelten 50 bis 150 Euro pro Person für den Grundstock.
Das BBK rechnet mit 2 Litern pro Person und Tag, also 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen. Wer Hygiene mitdenkt, plant eher 3 Liter pro Person und Tag ein.