Notheizung ohne Strom: Wie du dich bei Stromausfall warm hältst

von Christian Dost | EarthTrail | Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2026

Fällt im Winter der Strom aus, kühlt eine Wohnung binnen Stunden aus, und eine Notheizung ohne Strom entscheidet dann über mehr als Komfort. Der wichtigste Schritt kostet nichts: zuerst die vorhandene Wärme halten mit Kleidung, einem kleinen Raum und einem guten Schlafsack, dann sicher heizen. Netzunabhängig funktionieren ein Kaminofen mit trockenem Holz und, unter strengen Auflagen, Petroleum- oder Katalyt-Gasheizungen mit Sauerstoffmangelsicherung und CO-Melder. Der beliebte Teelichtofen dagegen wärmt keinen Raum und kann sogar einen Brand verursachen. Die größte Gefahr aber ist unsichtbar und geruchlos: Kohlenmonoxid, das bei jeder offenen Verbrennung im Raum entstehen kann.

Wärme halten kommt vor Wärme machen

Bevor du an eine Wärmequelle denkst, sorge dafür, dass die vorhandene Wärme langsamer verloren geht. Dieser Schritt kostet nichts und bringt am meisten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt ihn als erste Maßnahme: mehrere Schichten Kleidung und Decken ersetzen die Heizung vorübergehend.

Ein Raum statt der ganzen Wohnung

Zieh dich in den kleinsten Raum zurück, halte die Türen geschlossen und lass Rollläden und Vorhänge nachts unten. Je kleiner das Volumen, desto länger reicht die Restwärme. Mehrere Personen im selben Raum wärmen sich gegenseitig. Wer eine Decke oder ein Betttuch vor das Fenster hängt, dämmt die kälteste Fläche im Raum zusätzlich. Und weil der meiste Wärmeverlust nach unten geht, hilft ein Teppich oder eine Isomatte unter den Füßen mehr, als man denkt.

Eine Höhle bauen

Kinder wissen es intuitiv, Erwachsene vergessen es: Eine Decken- oder Zeltburg über Sofa oder Bett schließt ein kleines Luftvolumen ein, das dein Körper in Minuten aufheizt. In einem Ein-Personen-Zelt im Wohnzimmer wird es schneller warm als im ganzen Raum. Eine Wärmflasche hält die Nacht über mollig warm, wenn du sie mit ins Bett oder in den Schlafsack nimmst. Das Wasser dafür erhitzt du auf einem Gaskocher nur bei geöffnetem Fenster und unter Aufsicht, denn auch ein Kocher verbraucht Sauerstoff und kann Kohlenmonoxid bilden.

„Ein geschlossener Raum, eine Isomatte unter dem Schlafsack und trockene Kleidung bringen dich weiter als jede Bastelheizung. Wärme, die du gar nicht erst verlierst, musst du nicht mühsam nachlegen." – Christian Dost, EarthTrail

Die Rettungsdecke richtig nutzen

Eine Rettungsdecke wirkt, aber nur bei richtiger Anwendung. Welche Seite nach außen zeigt, ist für die Wärme fast egal, beide reflektieren einen Großteil der Körperstrahlung zurück. Worauf es ankommt: Die Folie gehört nah an den Körper, über eine dünne Kleidungsschicht. Auf der nackten Haut leitet sie Wärme ab, über einem dicken Parka reflektiert sie kaum noch etwas zurück. Darüber ziehst du weitere Kleidung oder eine Decke. Wickle Rumpf und Kopf fest ein und lass nur einen Spalt zum Atmen frei. Und isoliere dich zuerst gegen den Boden, weil du über den kalten Untergrund am schnellsten auskühlst.

Finger weg vom Alkohol

Er weitet die Gefäße, du fühlst dich kurz wärmer und verlierst in Wahrheit mehr Wärme. Warme, gezuckerte Getränke und ein bisschen Bewegung bringen echte Wärme, Schnaps nur das Gefühl davon.

Behalte die Gefährdeten im Blick

Nicht alle kühlen gleich schnell aus. Ältere Menschen, Kleinkinder und Kranke verlieren Wärme schneller und bemerken die Auskühlung oft zu spät. Sie gehören zuerst in den warmen Raum und unter die Decke. Achte auf die frühen Zeichen einer Unterkühlung: heftiges Zittern zuerst, dann Teilnahmslosigkeit und verwaschene Sprache. Hört das Zittern auf, obwohl es kalt bleibt, ist das ein Alarmsignal. Wie du eine Unterkühlung erkennst und richtig handelst, liest du im eigenen Artikel dazu.

Echte Wärmequellen, die ohne Strom laufen

Reicht das passive Warmhalten nicht, brauchst du eine Quelle, die tatsächlich heizt. Es gibt sie, und sie funktionieren netzunabhängig. Sie haben nur eines gemeinsam: Sie verbrennen etwas, und Verbrennung im Innenraum birgt ein Risiko.

Kaminofen und Holzofen

Wer einen Kaminofen oder Holzofen besitzt, hat die zuverlässigste Notheizung überhaupt, komplett unabhängig vom Netz. Über die Leistung entscheiden zwei Dinge. Erstens trockenes Brennholz mit einer Restfeuchte unter 20 Prozent. Solches Holz ist mindestens ein bis zwei Jahre luftgetrocknet, erkennbar an feinen Rissen und einem hellen Klang beim Aneinanderschlagen. Feuchtes Holz gibt kaum Wärme ab und verrußt den Schornstein bis zur Brandgefahr. Den Holzvorrat legst du an, solange du ihn nicht brauchst. Zweitens ein freier, regelmäßig gefegter Abzug, weil ein verstopfter Schornstein die Rauchgase in den Raum zurückdrückt.

Mobile Heizgeräte ohne Strom

Eine mobile Heizung ohne Strom für den Innenraum gibt es wirklich. Petroleumheizungen und Katalyt-Gasheizungen sind die einzigen Heizgeräte ohne Strom, die echte Leistung im Kilowattbereich liefern. Ein Katalytofen verbrennt sein Gas flammenlos an einer beschichteten Platte, ein Petroleumofen mit einer kleinen Flamme. Beide zehren dabei am Sauerstoff im Raum. Wird der knapp und verbrennt der Brennstoff unvollständig, entsteht Kohlenmonoxid. Beim Verbrennen geben sie außerdem Wasserdampf ab, der sich in einem dichten Raum als Feuchtigkeit niederschlägt und die Scheiben beschlagen lässt. Vertretbar sind sie nur mit einer Sauerstoffmangelsicherung, also einem Sensor, der das Gerät abschaltet, sobald die Luft zu knapp wird. Dazu gehören ein Kohlenmonoxid-Melder im Raum und regelmäßiges Lüften, auch wenn es Wärme kostet.

Sicherheitshinweis: Jedes Gerät mit offener Verbrennung im Wohnraum braucht Frischluft und einen CO-Melder. Ohne beides ist selbst ein zugelassener Petroleumofen ein Risiko. Einen Petroleumofen betankst du außerdem nur kalt und ausgeschaltet, am besten im Freien, sonst können sich die Dämpfe entzünden.

Kohlenmonoxid: die Gefahr, die du nicht bemerkst

Die größte Gefahr beim Heizen ohne Strom ist kein Feuer, sondern ein Gas, das du mit keinem deiner Sinne wahrnimmst. Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung, wenn also zu wenig Sauerstoff da ist. Es ist unsichtbar, geruch- und geschmacklos.

Was CO so heimtückisch macht, liegt in der Chemie. Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) ist eigentlich das Transportmittel für Sauerstoff. Kohlenmonoxid dockt aber rund 300-mal stärker an ihn an als Sauerstoff und besetzt dessen Plätze. Wo CO sitzt, wird kein Sauerstoff mehr transportiert. So erstickt der Körper von innen, obwohl die Lunge voller Luft ist. Die ersten Anzeichen sind leicht zu verwechseln: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, bleierne Müdigkeit. Genau deshalb ist das Gas im Schlaf so gefährlich, denn wer schläft, deutet die Müdigkeit nicht als Warnung und wacht nicht mehr auf. Nach Zahlen der Bundesärztekammer sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 500 Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung, über 3.000 kommen ins Krankenhaus.

Besonders tückisch: CO kann selbst bei gekipptem Fenster tödliche Werte erreichen. Deshalb ist ein Holzkohlegrill im Innenraum keine Notlösung, sondern eine der häufigsten Vergiftungsursachen im Winter. Ein Grill gehört niemals in die Wohnung oder ins Haus, es besteht Erstickungsgefahr.

Warum ein normaler Rauchmelder nicht reicht

Ein Rauchmelder schützt dich nicht vor CO. Er erkennt über einen optischen Sensor nur Rauchpartikel, für das klare Gas ist er blind. Was du brauchst, ist ein eigener CO-Melder. Es gibt auch Kombigeräte, die Rauch und Kohlenmonoxid zugleich messen, geprüft nach DIN EN 14604 und DIN EN 50291. Setz das Gerät in jeden Raum mit offener Verbrennung und ins Schlafzimmer.

„Ein Holzkohlegrill in der Wohnung kann die Luft in wenigen Minuten tödlich machen. Man sieht das Kohlenmonoxid nicht, man riecht es nicht, und ein Rauchmelder schlägt nicht an. Nur ein CO-Melder warnt rechtzeitig." – Christian Dost, EarthTrail
Erste Hilfe bei Verdacht auf CO: Sofort raus an die frische Luft, Fenster und Türen öffnen, andere im Haus warnen und den Notruf 112 wählen. Eine bewusstlose Person, die normal atmet, bringst du in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht, beginnst du sofort mit der Wiederbelebung.

Was als Notheizung nicht funktioniert

Neben den echten Optionen kursieren Ideen, die entweder nichts bringen oder aktiv schaden.

Der Teelichtofen und die Blumentopf-Heizung. Ob Teelichtofen, Teelichtheizung oder Blumentopf-Heizung, das Prinzip bleibt dasselbe. Ein einzelnes Teelicht setzt beim Abbrennen etwa 30 bis 40 Watt frei, ungefähr so viel wie eine schwache Glühbirne. Der umgestülpte Tontopf erzeugt daraus keine zusätzliche Energie, er speichert die Wärme nur kurz und gibt sie verzögert wieder ab. An der Topfwand wird es warm, die Raumtemperatur bewegt das kaum, denn ein durchschnittlicher Raum verliert je nach Dämmung mehrere hundert bis über tausend Watt. Vier Teelichter gegen diese Rechnung sind chancenlos. Gefährlich wird es, wenn viele Teelichter dicht beieinanderstehen: Das flüssige Wachs kann sich entzünden und wie ein Fettbrand in einer Stichflamme aufschlagen. Davor warnen Feuerwehren und Schornsteinfeger. Kein warmer Raum, keine gesparten Heizkosten, im schlechtesten Fall ein Zimmerbrand.

Der „Heizlüfter ohne Strom". Den gibt es nicht. Ein Heizlüfter arbeitet mit einer strombetriebenen Heizspirale und einem elektrischen Ventilator. Fällt der Strom aus, ist er nutzlos. Wer für den Blackout plant, braucht eine Wärmequelle, die ohne Steckdose auskommt.

Grill und Holzkohle im Zimmer. Die direkte Linie zur Kohlenmonoxidvergiftung. Kein Balkongrill, kein Einweggrill, keine Kohle im Wohnraum, unter keinen Umständen.

Teelichter richtig eingesetzt

Ganz nutzlos sind Teelichter trotzdem nicht. Was einen Raum nicht heizt, kann am Körper wärmen. Ein oder zwei Teelichter zusammen mit dir unter einer Rettungsdecke stauen ihre Wärme auf kleinstem Raum. Das wirkt fast wie eine winzige Wärmehöhle. Achte dabei auf einen Luftspalt und lass die Flamme nie unbeaufsichtigt, die Folie ist brennbar. Genau auf diese Kombination setzt das Heat Emergency Pack, ein kleines Notfall-Set aus fünf günstigen Teilen, das wir in einem eigenen Artikel vorstellen.

Vorher entscheiden, nicht im Dunkeln improvisieren

Eine Notheizung, die du erst im kalten, dunklen Wohnzimmer zusammensuchst, ist keine. Leg vorher fest, wie du warm bleibst. Dazu gehören ein CO-Melder für jeden Raum mit offener Verbrennung, warme Schlafsäcke und Decken für alle im Haushalt und, wer Kamin oder Ofen hat, ein Brennstoffvorrat. Wer auf eine Petroleum- oder Katalyt-Gasheizung setzt, wählt ein Modell mit Sauerstoffmangelsicherung und legt den passenden Vorrat dazu. In der Stadt sieht die Lösung anders aus als auf dem Land, das Prinzip bleibt gleich.

Diese Entscheidungen triffst du an einem hellen, warmen Nachmittag in Ruhe. Im Ernstfall setzt du sie nur noch um.

Warm bleiben ist nur der halbe Weg

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Auf einen Blick

Bei Stromausfall zählt die Reihenfolge: erst die Wärme halten, die du hast, dann sicher neue erzeugen. Ein kleiner, gut abgedichteter Raum, warme Kleidung in Schichten und ein guter Schlafsack bringen dich durch die erste Nacht. Als echte Wärmequellen ohne Strom taugen der Kaminofen mit trockenem Holz und, unter strengen Auflagen, Petroleum- oder Katalyt-Gasheizungen mit Sauerstoffmangelsicherung und CO-Melder. Ein Teelichtofen wärmt keinen Raum und kann einen Brand verursachen. Die größte Gefahr ist geruchlos und unsichtbar: Kohlenmonoxid, gegen das nur ein Melder und Frischluft helfen.

Häufige Fragen

Womit kann ich bei Stromausfall heizen?

Echte Wärme ohne Strom liefern ein Kaminofen mit trockenem Holz oder eine Petroleum- beziehungsweise Katalyt-Gasheizung, letztere nur mit Sauerstoffmangelsicherung und CO-Melder. Bevor du heizt, solltest du die vorhandene Wärme halten: warme Kleidung, ein kleiner Raum mit geschlossenen Türen und ein Schlafsack senken den Bedarf deutlich.

Ist ein Teelichtofen gefährlich?

Als Heizung ist er wirkungslos: Ein Teelicht gibt nur rund 30 bis 40 Watt ab, ein Raum verliert ein Vielfaches davon. Gefährlich wird er, wenn mehrere Teelichter dicht zusammenstehen, dann kann sich das Wachs entzünden und wie ein Fettbrand aufflammen. Feuerwehren warnen ausdrücklich davor.

Ist eine mobile Heizung ohne Strom im Innenraum sicher?

Nur unter Auflagen. Petroleum- und Katalyt-Gasheizungen verbrauchen Sauerstoff und können Kohlenmonoxid bilden. Sicher sind sie deshalb nur mit Sauerstoffmangelsicherung, einem CO-Melder im Raum und regelmäßigem Lüften.

Woran erkenne ich eine Kohlenmonoxidvergiftung?

An unspezifischen Anzeichen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und starker Müdigkeit, oft bei mehreren Personen im selben Raum zugleich. Bei Verdacht sofort ins Freie, Fenster und Türen öffnen und den Notruf 112 wählen. Weil das Gas geruchlos ist, warnt zuverlässig nur ein CO-Melder.

Erkennt ein Rauchmelder Kohlenmonoxid?

Nein. Ein normaler Rauchmelder reagiert nur auf Rauchpartikel, nicht auf das geruchlose CO. Es gibt kombinierte Rauch- und CO-Melder, doch ein reiner Rauchmelder ersetzt keinen CO-Melder.

Von der Theorie in die Praxis

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